Typologien
Granithäuser des Minho
Die Granithäuser des Minho: das zweigeschossige ländliche Minho-Haus mit Galerie, Dreschplatz und Speicher, höchster Ausdruck der Volksarchitektur des…
Im Nordwesten Portugals entsteht das Haus aus dem Stein, den man unter den Füßen hat. Der Untergrund des Minho ist ein weites Granitmassiv, und mit ihm — gebrochen auf dem eigenen Grundstück oder in den benachbarten Steinbrüchen — wurde im Laufe der Jahrhunderte eine der kohärentesten und unverwechselbarsten Typologien der portugiesischen Volksarchitektur errichtet. Das Minho-Granithaus ist kein einziges Modell, sondern eine Familie ländlicher Lösungen, die denselben Werkstoff, dasselbe feuchte Klima und dieselbe Agrarwirtschaft teilen.
Das Blockhaus: Vieh unten, Menschen oben
Die verbreitetste Form ist das sogenannte zweigeschossige Blockhaus, das unter einem einzigen Dach die Wohnung und den landwirtschaftlichen Betrieb vereint. Das Erdgeschoss, dunkel und kühl, war der Bereich der Arbeit: Ställe für das Vieh, Weinkeller, Weinkelter und Geräteräume. Darüber, im Hauptgeschoss, lagen die Küche mit ihrem steinernen Herd, die Stube und die Schlafkammern. Die Wärme der Tiere stieg auf und half, das Haus zu erwärmen — eine schlichte Wärmeökonomie, abgestimmt auf die kalten und regnerischen Winter der Provinz.
Die Verbindung zwischen den beiden Welten erfolgt über eine äußere Granittreppe, die an die Fassade gelehnt ist und zu einer überdachten Galerie oder einem Balkon hinaufführt. Diese Vorhalle ist das Herz des Minho-Hauses: Eingangstür des Obergeschosses und zugleich geschützter Trockenplatz, an dem die Maiskolben und das Obst getrocknet wurden. Die Mauern bestehen aus Quadermauerwerk mit großen rechteckigen Blöcken, die in waagerechten Schichten gesetzt sind; das Holz, häufig Kastanie oder Eiche, bleibt den Dachkonstruktionen, den Galerien und der inneren Zimmerei vorbehalten.
Das Haus und seine Welt: Dreschplatz, Brunnen und Speicher
Das Haus ist selten für sich allein zu verstehen. Ringsum ordnet sich ein kleines Universum von Bauten zur Unterstützung der Feldarbeit: der gepflasterte Dreschplatz, auf dem das Getreide gedroschen wurde, der Brunnen, die Strohmieten und vor allem der Speicher — der erhöhte Vorratsbau aus Granit und Holz, in dem der Mais belüftet und vor Nagetieren geschützt trocknete. Diese Kornspeicher und Geflechtspeicher sind untrennbar mit der Landschaft des Minho verbunden und sind in Gruppen wie denen von Soajo oder Lindoso zu sinnbildlichen Bildern des Nordens geworden. Das Steinhaus, der Dreschplatz und der Speicher bilden eine funktionale Einheit, die untrennbar mit der Kultur des Maises verbunden ist, die seit dem 17. Jahrhundert die Landwirtschaft der Region geprägt hat.
Im Minho lässt sich die Architektur kaum von der Geologie trennen: Derselbe Stein baut das Haus, den Speicher, die Feldmauer, die Brücke und das Wegkreuz und verleiht der ganzen Landschaft eine seltene stoffliche Einheit.
Von der volkstümlichen Anonymität zur denkmalpflegerischen Anerkennung
Lange Zeit wurden diese Häuser nur als zweckmäßige und anonyme Bauten angesehen. Ihre kulturelle Aufwertung verdankt sich zu großen Teilen dem Inquérito à Arquitectura Popular em Portugal (Untersuchung zur Volksarchitektur in Portugal), die zwischen 1955 und 1960 vom damaligen Nationalen Architektenverband durchgeführt wurde. Die Zone 1, dem Minho gewidmet, wurde von der Gruppe um Fernando Távora, Rui Pimentel und António Menéres untersucht, die diese Lösungen dokumentierte und würdigte und zeigte, wie die gelehrte Architektur von der baulichen Weisheit des Volkes lernen konnte.
Heute unterscheidet sich das Minho-Granithaus von seinen Nachbarn sowohl durch den Werkstoff als auch durch den Maßstab. Es ist nicht mit den Schieferhäusern der Berge des Binnenlandes zu verwechseln, aus dunklem, blättrigem Stein, noch mit den Herrenhäusern und Adelssitzen desselben Minho, wo der Granit bereits dem Prunk der Wappen, der barocken Balkone und der behauenen Portale dient. Zwischen der Hütte auf dem Berg und dem Herrensitz des Grundherrn erstreckt sich die ganze Abstufung einer Baukultur, die den grauen Stein zum Markenzeichen des ländlichen Nordens gemacht hat.
Häufige Fragen
- Was kennzeichnet das Minho-Granithaus?
- Es ist ein ländliches Haus aus behauenen Granitblöcken, in der Regel zweigeschossig: Das Erdgeschoss beherbergt Viehställe, Weinkeller und Kelter; das Obergeschoss ist die Wohnung, die über eine äußere Steintreppe erreicht wird, die zu einer Galerie oder einem überdachten Balkon führt. Ringsum sind der Dreschplatz, der Brunnen und der Speicher angeordnet.
- Warum sind diese Häuser aus Granit gebaut?
- Der Untergrund des portugiesischen Nordwestens wird von Graniten beherrscht, einem reichlich vorhandenen, harten und dauerhaften Gestein, das vor Ort gebrochen wurde. Die dicken Quadermauern schützen vor der anhaltenden Kälte und dem Regen des Minho-Klimas und machen andere Materialien entbehrlich, indem sie das Haus eng mit der Geologie der Region verbinden.
- Wozu dient die Galerie des Minho-Hauses?
- Die Galerie oder der Balkon am oberen Ende der Außentreppe ist zugleich Eingang zum Hauptgeschoss und Arbeitsraum: Dort wurden die Maiskolben und das Obst getrocknet und aufgehängt, geschützt vor dem Regen. Sie ist eines der unverwechselbarsten Elemente der Volksarchitektur des Minho.