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Kapellen und Einsiedeleien

Kapellen, Einsiedeleien und Oratorien in Portugal: kleine Andachtsbauten, ländlich und städtisch, von ihren mittelalterlichen Ursprüngen bis zu ihrer Rolle bei…

Kapellen und Einsiedeleien
Vitor Oliveira from Torres Vedras, PORTUGAL, CC BY-SA 2.0 — Wikimedia Commons

Unter den kleineren Bauten des portugiesischen religiösen Erbes bilden Kapellen und Einsiedeleien eine Familie bescheidener, aber allgegenwärtiger Bauwerke, verstreut über Dorfvorplätze, Wegkreuzungen, Gipfel und Landgüter. Ohne den Status einer Pfarrkirche und ohne die Monumentalität eines Klosters oder Konvents bilden sie gleichwohl eines der dichtesten Zeugnisse der Volksfrömmigkeit und der Besiedlung des Landes über die Jahrhunderte.

Definition und Hierarchie der Gotteshäuser

Im katholischen Sprachgebrauch ist die Kapelle ein Nebenbau ohne volle Pfarrrechte, der dem Gottesdienst einer bestimmten Gemeinschaft oder Gruppe gewidmet ist — einem Landgut, einem Konvent, einer Burg, einer Bruderschaft oder einer Familie. Sie unterscheidet sich somit von der Pfarrkirche, dem Sitz des regelmäßigen Gottesdienstes einer Gemeinde, und von der Kathedrale oder Bischofskirche, dem Haupt einer Diözese. Das Wort selbst geht auf die cappella zurück, den kleinen Mantel des heiligen Martin von Tours, der von den fränkischen Königen als Reliquie aufbewahrt wurde: Das Heiligtum, das ihn beherbergte, gab einer ganzen Kategorie kleiner Kultstätten ihren Namen.

Die Einsiedelei teilt diese Eigenschaft eines geringeren Gotteshauses, fügt ihr aber ein topographisches Merkmal hinzu. Der Begriff leitet sich vom griechischen eremítes, „der in der Wüste wohnt”, über das lateinische eremīta ab. Eine Einsiedelei ist per Definition die an einem abgelegenen Ort errichtete Kapelle — fern der Ortschaften, häufig in erhöhter Lage mit offenem Horizont. Das Oratorium wiederum bezeichnet einen Raum privater und häuslicher Andacht, eigen den Herrensitzen und Palästen, ohne öffentliche Bestimmung.

Die Geographie dieser Bauten ist selbst ein Dokument: Wo sich eine isolierte Einsiedelei erhebt, liest man fast immer eine alte Wallfahrt, eine Landgrenze, ein erfülltes Gelübde oder einen mit heiliger Erinnerung erfüllten Ort.

Formen, Materialien und Schmuck

Die Architektur dieser Bauten neigt zur Sparsamkeit der Mittel. Der Grundriss ist zumeist ein einziges rechteckiges Kirchenschiff, mitunter mit abgesetztem Chor und, bei den Wallfahrtsbauten, mit vorgelagerter Vorhalle — einem offenen Portikus, der die auf dem Vorplatz versammelten Gläubigen schützte. Zu diesen Bauten gehören die Außenkanzel, das Wegkreuz und die steinernen Bänke, Vorrichtungen für den Gottesdienst unter freiem Himmel, wenn der enge Innenraum nicht ausreichte.

Trotz der Bescheidenheit der Baukörper konnte der Innenraum künstlerische Arbeit von Qualität versammeln: Altaraufsätze aus vergoldetem Schnitzwerk, Azulejo-Tafeln, Wandmalerei und über Generationen angesammelte Votivbildwerke. Für eine weitgehend des Lesens unkundige Bevölkerung waren viele dieser kleinen Gotteshäuser ein wahrer bildlicher Katechismus.

Andachtsfunktion und Territorium

Die größte Dichte portugiesischer Einsiedeleien geht auf das 15. und 16. Jahrhundert zurück, wenngleich viele mittelalterliche Ursprünge und aufeinanderfolgende barocke Neugründungen aufweisen. Ihr Daseinszweck war mit den landwirtschaftlichen Interessen und der Religiosität der ländlichen Gemeinschaften verbunden: Sie wurden zu Ehren eines Heiligen errichtet, der die Ernte, den Regen oder gegen Krankheit schützte, und wurden zum Mittelpunkt regionaler Wallfahrt, bei der die Bewohner der benachbarten Dörfer in Prozession zusammenströmten. Diese Bestimmung rückt sie eng an die Heiligtümer und Wallfahrtsorte heran, deren ursprüngliche Zelle sie oft bilden, noch vor der barocken Monumentalisierung.

Durch ihre Verstreutheit und ihren häuslichen Maßstab gehören Kapellen und Einsiedeleien innerhalb der Gesamtheit der Typologien des baulichen Erbes zu den am stärksten von Verfall und Ruin bedrohten. Viele haben den regelmäßigen Gottesdienst verloren, andere bewahren sich nur durch die Wachsamkeit örtlicher Bruderschaften. Ihre Architektur, ihre Patrozinien und den von ihnen getragenen Festkalender zu dokumentieren, ist daher ein wesentlicher Teil der Lesart des portugiesischen religiösen Territoriums — ein feines, kapillares Gewebe, das die Geschichte der großen Denkmäler im Schatten zu lassen pflegt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Kapelle und einer Einsiedelei?
Beide sind kleine Nebenbauten ohne volle Pfarrrechte. Die Unterscheidung betrifft vor allem die Lage: Die Einsiedelei erhebt sich an einem abgelegenen Ort, von den Ortschaften isoliert, oft in erhöhter Lage; die Kapelle befindet sich häufig innerhalb des bebauten Gefüges, bei Häusern, Landgütern, Klöstern oder Einrichtungen.
Was ist ein Oratorium?
Es ist ein kleiner Raum privater, häuslicher Andacht, eingerichtet in Palästen, Herrensitzen und Privatwohnsitzen. Es unterscheidet sich von der Kapelle und der Einsiedelei dadurch, dass es in der Regel keine öffentliche Bestimmung hat.
Warum befinden sich viele Einsiedeleien an abgelegenen und erhöhten Orten?
Ihre Gründung war mit der ländlichen Frömmigkeit und dem Schutz der Ernte verbunden. Abgeschiedenheit und beherrschende Lage verstärkten ihren Charakter als Wallfahrtsorte: Die Menschen stiegen in Prozession hinauf, um den Schutzheiligen zu ehren und um Heilung oder ein gutes landwirtschaftliches Jahr zu bitten.

Quellen

  1. Capela — Wikipédia
  2. Ermida — Wikipédia
  3. Património Cultural (DGPC) — Ermidas