Welterbe

Pombalinisches Lissabon (Vorschlagsliste)

Die Baixa Pombalina von Lissabon, nach dem Erdbeben von 1755 wiederaufgebaut, seit 2004 Welterbe-Kandidatin auf der Vorschlagsliste der UNESCO.

Die Baixa Pombalina ist das wiederaufgebaute Herz Lissabons, errichtet über den Ruinen, die das Erdbeben, der Tsunami und der Brand vom 1. November 1755 hinterließen. Am 7. Dezember 2004 trug Portugal das Ensemble unter der Bezeichnung „Pombaline Lisbon” in die Vorschlagsliste der UNESCO ein – der erste Schritt zu einer möglichen Bewerbung um den Welterbe-Status. Der Vorschlag beruht auf einer klaren Idee: Die Baixa ist nicht bloß ein historisches Viertel, sondern ein gebautes Manifest aufgeklärten Städtebaus und erdbebensicherer Ingenieurkunst.

Von der Katastrophe zum Plan

Die Zerstörung der Lissaboner Innenstadt war so umfassend, dass man sich entschied, die mittelalterliche Stadt nicht wiederherzustellen. Unter der politischen Leitung von Sebastião José de Carvalho e Melo, dem Marquês de Pombal, und der technischen Arbeit von Manuel da Maia sowie der Militäringenieure Eugénio dos Santos und Carlos Mardel wurde das, was von der Baixa übrig war, niedergerissen und ein orthogonales Raster aus breiten Straßen, regelmäßigen Häuserblocks und einheitlichen Fassaden entworfen, gegliedert zwischen zwei Plätzen: dem Rossio im Norden und dem wiederaufgebauten Terreiro do Paço – heute die Praça do Comércio –, der sich zum Tejo hin öffnet. Das vor allem zwischen 1758 und den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ausgeführte Werk ist eine der kohärentesten städtebaulichen Maßnahmen des modernen Europa und untrennbar mit dem pombalinischen Stil verbunden.

Die Ingenieurkunst der Vorsorge

Der in der Bewerbung vorgeschlagene universelle Wert hängt mit der Antwort auf die Seismizität zusammen. Die Gebäude der Baixa ruhen auf einer dreidimensionalen Holzkonstruktion – der gaiola pombalina –, die in die Mauerwerkswände eingelassen ist und so konzipiert wurde, dass sie mit dem Boden schwingt und Energie ableitet, ohne einzustürzen. Die Höhe der Gebäude ist begrenzt, die Straßen sind breit genug, dass der Schutt eines neuen Bebens die Flucht nicht versperrt, und die Standardisierung der Fassaden ermöglichte einen raschen, serienmäßigen Bau. Es ist Städtebau, der zuallererst als öffentliche Sicherheit gedacht ist.

Die Baixa Pombalina ist wahrscheinlich das erste europäische Beispiel einer Stadt, die im Maßstab des Häuserblocks als integriertes System entworfen wurde – Struktur, Fassade, Straße und Platz gemeinsam gedacht, um dem nächsten Erdbeben standzuhalten.

Eine Bewerbung im Maßstab der Stadt

Das vorgeschlagene Ensemble erstreckt sich vom Ufer des Tejo bis zum Rossio und zur Praça da Figueira und umfasst Straßen wie die Rua Augusta, die Rua do Ouro und die Rua da Prata. Seine Eintragung in die Vorschlagsliste stellt es neben weitere portugiesische Kandidatenstätten wie das Aquädukt der Águas Livres und tritt in Dialog mit den bereits als Welterbe eingestuften Stätten – vom Hieronymitenkloster und dem Turm von Belém am westlichen Rand der Stadt. Mehr als ein Baustil ist die Baixa Ausdruck einer Art, Stadt zu machen: des Augenblicks, in dem der portugiesische Staat lernte, den städtischen Raum von oben, nach der Vernunft, zu gestalten.

Die Bewerbung bleibt offen. Ihre Stärke liegt weniger in der isolierten Monumentalität jedes einzelnen Gebäudes als im Wert des Ensembles – der Unversehrtheit eines Stadtrasters, das fast drei Jahrhunderte später noch lebendig, bewohnt und dem ursprünglichen Entwurf treu ist.

Häufige Fragen

Ist die Baixa Pombalina UNESCO-Weltkulturerbe?
Noch nicht. Seit dem 7. Dezember 2004 gehört sie zur Vorschlagsliste Portugals, also zur Gesamtheit der Stätten, die für eine künftige Bewerbung um den Welterbe-Status vorgeschlagen sind. Die endgültige Eintragung erfordert ein Bewertungsverfahren, das noch nicht abgeschlossen ist.
Was macht die Baixa Pombalina außergewöhnlich?
Sie ist eines der ersten europäischen Beispiele für aufgeklärten Städtebau und für erdbebensicheres Bauen in großem Maßstab. Das orthogonale Raster, die einheitlichen Fassaden und die als gaiola pombalina bekannte Holzkonstruktion bilden ein integriertes System der Katastrophenvorsorge.
Wo liegt die Baixa Pombalina?
Im historischen Zentrum von Lissabon, zwischen der Praça do Comércio am Tejo und dem Rossio. Sie umfasst Straßen wie die Rua Augusta, die Rua do Ouro und die Rua da Prata.

Quellen

  1. Pombaline Lisbon — UNESCO World Heritage Centre, Tentative List
  2. Baixa de Lisboa — Wikipédia, a enciclopédia livre
  3. Lisboa Pombalina — Património Cultural (DGPC)