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Portugiesische Bildhauerei
Ein Überblick über die portugiesische Bildhauerei in Stein, Holz und Bronze, von der Gotik bis zum Klassizismus, mit Chanterene, João de Ruão und Joaquim…
Im Laufe von acht Jahrhunderten begleitete die Bildhauerei in Portugal die Entwicklung der großen europäischen Kunstströmungen und übersetzte sie in eine eigene Sprache, in der Kalkstein, polychromes Holz, Ton und Bronze sowohl der religiösen Andacht als auch der Darstellung der Macht dienten. Mehr als eine Ansammlung einzelner Werke bildet sie einen kohärenten Weg, der von der anonymen mittelalterlichen Statuarik bis zum Auftreten von Meistern mit eigenem Namen und eigener Werkstatt reicht.
Vom Mittelalter zur Gotik
Die portugiesische romanische Bildhauerei zeigte sich vor allem an den Kapitellen, Tympana und Portalen der Kirchen, mit einem schematischen und stark symbolischen figürlichen Repertoire. Erst mit der Gotik jedoch gewann die Statuarik an Eigenständigkeit und Ausdruckskraft. Die königlichen und adligen Grabmäler wurden zur Gattung schlechthin: Die Liegefiguren von Pedro I. und Inês de Castro im Kloster Alcobaça sowie die Grabmäler der Familie von João I. im Pantheon des Klosters Batalha zählen zu den bemerkenswertesten Beispielen gotischer Grabplastik der Iberischen Halbinsel und verbinden heraldische Strenge mit einer wachsenden Aufmerksamkeit für naturalistische Details.
Die Renaissance und die manuelinische Wende
Der Übergang zur Neuzeit brachte die Ankunft ausländischer Bildhauer mit sich, die die lokale Praxis grundlegend erneuerten. Unter der Herrschaft Manuels I. fügte das Dekorationsprogramm des Hieronymitenklosters Bildhauerei und Architektur zu einem überschwänglichen Ensemble zusammen. Vor allem in Coimbra bildete sich ein entscheidendes Renaissancezentrum heraus, mit zwei Meistern französischer Herkunft: Nicolau de Chanterene (um 1485-1551), Schöpfer des Achsenportals des Hieronymitenklosters und der königlichen Betfiguren, und João de Ruão (um 1500-1580), zuständig für Retabel und Kanzeln. Beiden ist die Einführung des klassischen Formenvokabulars, der humanistischen Grabplastik und einer italienisch inspirierten sakralen Bildwerke in Portugal zu verdanken.
Die portugiesische Bildhauerei der Renaissance entstand paradoxerweise aus französischen Händen: Es waren Chanterene und João de Ruão, die den heimischen Stein lehrten, die Grammatik der Antike zu sprechen.
Barock, Goldschnitzwerk und sakrale Bildwerke
Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert ordnete sich die Bildhauerei weitgehend den großen religiösen Programmen unter. Das Goldschnitzwerk — geschnitztes und mit Gold überzogenes Holz — bedeckte Retabel und Hochchöre und vereinte Architektur, Bildhauerei und Bühnenwirkung zu einem einzigen theatralischen Effekt. Daneben blühten die sakralen Bildwerke auf, mit Andachtsbildern aus polychromem Holz und Ton, in einem Register von intensiver Dramatik, beredter Gestik und den für den Barock charakteristischen Lichtkontrasten. Diese Tradition des Modellierens in Ton findet heute ein Echo in volkstümlichen Formen wie den portugiesischen Kunsthandwerken, die mit der Krippenfigur verbunden sind.
Der Klassizismus und Machado de Castro
Den Höhepunkt der portugiesischen Bildhauerei des Ancien Régime erreichte Joaquim Machado de Castro (1731-1822). In Coimbra geboren, schuf er zwischen 1771 und 1775 das Reiterstandbild von König José I. für die Praça do Comércio in Lissabon, ein Bronzedenkmal, das im Rahmen des pombalinischen Wiederaufbaus nach dem Erdbeben von 1755 konzipiert wurde. Machado de Castro war auch der erste portugiesische Bildhauer, der über seine Kunst theoretisierte und die Descripção analytica da execução da estatua equestre (1810) hinterließ, und er gründete eine Schule, die eine ganze Generation ausbildete. An sein Erbe erinnert heute das Nationalmuseum Machado de Castro in Coimbra, das eine der reichsten Skulpturensammlungen des Landes vereint.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts festigten die öffentliche Statuarik und das Porträt die Professionalisierung des Bildhauers und ebneten den Weg für Namen wie António Soares dos Reis und António Teixeira Lopes, die diese lange Tradition nun in naturalistischer und romantischer Tonart fortführten.
Häufige Fragen
- Wer war der bedeutendste portugiesische Bildhauer der klassizistischen Epoche?
- Joaquim Machado de Castro (1731-1822), Schöpfer des Reiterstandbilds von König José I. auf der Praça do Comércio in Lissabon und Begründer der ersten portugiesischen Bildhauerschule.
- Wo lässt sich die schönste gotische Grabplastik Portugals sehen?
- Im Kloster Alcobaça befinden sich die Grabmäler von Pedro I. und Inês de Castro, Meisterwerke der gotischen Bildhauerei des 14. Jahrhunderts in Portugal.
- Welches Material prägt die portugiesische Barockbildhauerei?
- Geschnitztes und vergoldetes Holz, bekannt als talha dourada, verwendet in Retabeln und sakralen Bildwerken, neben polychromem Ton und monumentaler Bronze.