Typologien

Bahnhöfe

Die portugiesischen Bahnhöfe, vom Eisen und Glas des 19. Jahrhunderts bis zur großen Fassaden-Azulejaria, als Typologie des baulichen Erbes.

Bahnhöfe
Michael Gaylard from Horsham, UK, CC BY 4.0 — Wikimedia Commons

Bahnhöfe gehören zu den ausdrucksstärksten Typologien des baulichen Erbes des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Portugal. Mit der Ankunft der Eisenbahn entstanden — 1856 auf dem Abschnitt zwischen dem Bahnhof Santa Apolónia in Lissabon und Carregado eröffnet —, wurden diese Bauten zu strukturierenden Einrichtungen des Territoriums, die den Personen- und Güterverkehr mit der Industrialisierung und mit der Annäherung von Küste und Landesinnerem verknüpften. Mehr als bloße Einstiegspunkte waren sie das Tor, durch das die Ortschaften in die Moderne eintraten, und häufig das ehrgeizigste öffentliche Gebäude vieler Orte.

Eisenarchitektur und historistische Formensprachen

Der Bahnhof als Typologie tritt in Verbindung mit einer neuen Ingenieurskunst auf, die traditionelles Mauerwerk mit Metallkonstruktionen und Dächern aus Eisen und Glas verband, nach dem Bild der großen europäischen Bahnhöfe. Dieser technische Aspekt fügt sich in das ein, was man als Eisenarchitektur bezeichnet, bei der die sichtbare Struktur, die Leichtigkeit und die weiten Spannweiten zu ästhetischen Werten werden. Der Bahnhof Rossio in Lissabon, 1890 eröffnet und von José Luís Monteiro entworfen, ist ein paradigmatisches Beispiel: Eine Fassade im neomanuelinischen Geschmack — ein Historismus nationalen Ursprungs — verdeckt ein metallenes Schiff, das nach Pariser Vorbildern gestaltet ist.

Neben der historistischen Formensprache bestanden der nüchterne Neoklassizismus von Santa Apolónia (1865) und der von Frankreich beeinflusste Eklektizismus von Porto-São Bento, das Werk des Architekten José Marques da Silva, 1916 auf den Fundamenten des ehemaligen Klosters São Bento da Avé Maria eröffnet. Diese Vielfalt macht die Bahnhöfe zu einer Mustersammlung der architektonischen Strömungen, die das Land zwischen der Spätromantik und den Anfängen des Estado Novo durchzogen.

Der Azulejo als Erzählung an Fassade und in der Halle

Wenn ein Element den portugiesischen Bahnhof im europäischen Kontext auszeichnet, dann ist es der intensive Gebrauch des Azulejo. Von etwa 900 Bahnhöfen und Haltepunkten bewahren 308 keramische Verkleidungen, die von Kompositionen mit Standardmodulen und ortsbezeichnenden Tafeln bis zum großen figürlichen Fassaden-Azulejo reichen. Der bedeutendste Fall ist die Halle von São Bento, in der Jorge Colaço rund 20 000 blau-weiße, in der Fabrik von Sacavém hergestellte Azulejos zusammenführte, mit Episoden der nationalen Geschichte — von der Schlacht von Valdevez bis zur Eroberung von Ceuta. Im Douro zeigt der Bahnhof von Pinhão Tafeln, die dem Weinzyklus gewidmet sind, von den Landschaften bis zur Weinlese.

Der portugiesische Bahnhof lässt sich als Freilichtmuseum lesen: Jeder Azulejo-Fries verwandelt einen Warteraum in ein Kompendium der Geschichte und der lokalen Identität.

Erbewert und Anerkennung

In ihrer Gesamtheit werden die Bahnhöfe heute als zentraler Bestandteil des portugiesischen Industrieerbes verstanden, das architektonischen, künstlerischen und erinnerungsbezogenen Wert vereint. Mehrere sind als Nationaldenkmal oder als Immobilie von öffentlichem Interesse klassifiziert, und die Erhaltung ihrer Azulejo-Bestände war Gegenstand eigener Restaurierungskampagnen. Das materielle und technische Gedächtnis der Eisenbahn ist vor allem im Nationalen Eisenbahnmuseum in Entroncamento versammelt, das das rollende Material und die Entwicklung dieser Typologie über mehr als anderthalb Jahrhunderte dokumentiert. Die Bahnhöfe zu verstehen heißt somit, eines der dichtesten Kapitel der Typologien des baulichen Erbes in Portugal anzuerkennen.

Häufige Fragen

Wann begann die Eisenbahn in Portugal?
Der erste Abschnitt wurde 1856 eröffnet, zwischen Lissabon (Santa Apolónia) und Carregado, mit etwa 36 Kilometern. Es folgte ein rascher Ausbau des Netzes im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Welcher Bahnhof ist für seine Azulejaria am bekanntesten?
Der Bahnhof Porto-São Bento, dessen Halle rund 20 000 von Jorge Colaço gemalte Azulejos vereint, die Episoden der Geschichte Portugals sowie Szenen des Verkehrs und der Lebensweisen darstellen.
Wie viele portugiesische Bahnhöfe besitzen Azulejos?
Nach Angaben von Infraestruturas de Portugal besitzen von etwa 900 Bahnhöfen und Haltepunkten 308 Azulejos unterschiedlicher Typen, figürliche und nichtfigürliche, im Innenraum wie an der Fassade.

Quellen

  1. História do transporte ferroviário em Portugal — Wikipédia
  2. Património Azulejar — IP Património (Infraestruturas de Portugal)
  3. Estação Ferroviária do Rossio — Wikipédia