Immaterielles Erbe

Fayence aus Coimbra

Die Fayence aus Coimbra ist die historische Keramik aus dem Bairro das Olarias, berühmt für die handgemalten orientalischen und barocken Motive in Blau…

Fayence aus Coimbra
Esquerda.Net Flickr, CC BY-SA 2.0 — Wikimedia Commons

Die Fayence aus Coimbra bezeichnet die feine Zinnglasur-Keramik, die in der Stadt Coimbra zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert hergestellt wurde, eine der angesehensten Keramiktraditionen Portugals. Erkennbar an den handgemalten Motiven orientalischer und barocker Inspiration und an einer einzigartigen Palette aus Blau-, Violett-, Grün- und Gelbtönen, machte diese Produktion die Stadt am Mondego zu einem der größten Töpferzentren des Landes, mit großer landesweiter Ausstrahlung und Ausfuhr über die Grenzen hinaus.

Ein Töpferzentrum ersten Ranges

Die keramische Berufung von Coimbra ist alt: Es gibt urkundliche Hinweise auf Töpfer schon im Mittelalter, doch erst am Ende des 16. Jahrhunderts beginnt die Herstellung der eigentlichen Fayence — Keramik aus hellem Scherben, überzogen mit einer undurchsichtigen weißen Zinnglasur, die als Grund für die gemalte Dekoration dient. Die Tätigkeit konzentrierte sich im sogenannten Bairro das Olarias, in der historischen Altstadt der Stadt, rund um die heutige Rua dos Oleiros, wo zeitweise Dutzende von Werkstätten in Betrieb waren.

Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts prägte den Stil, der die Fayence aus Coimbra berühmt machen sollte, mit der originellen Anpassung orientalischer Ziermotive in Kobaltblau, inspiriert von den chinesischen Porzellanen, die die Entdeckungen nach Portugal brachten. Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts gilt allgemein als das goldene Zeitalter dieser Fayence: Die Produktion vervielfachte sich, die Spezialisierung des Fayencemalers entstand, und die Stücke aus Coimbra erreichten Regionen so weit entfernt wie die Algarve und sogar England.

Die Malerei und die Motive

Was die Fayence aus Coimbra auszeichnet, ist vor allem ihre Dekoration. Auf dem Weiß der Glasur trugen die Maler aus freier Hand Kompositionen von großer Freiheit auf, in denen sich gelehrte, orientalische und volkstümliche Elemente kreuzten. Die traditionelle Palette verbindet Kobaltblau und Manganviolett (mitunter als Sepia beschrieben) mit Grün und Gelb, in einer Mehrfarbigkeit, die zu einer regionalen Signatur wurde.

Zu den charakteristischsten Repertoires zählen die Teller mit aranhões, mit Laubwerk und Ranken, die vom 17. bis zum späten 18. Jahrhundert vorherrschten, sowie die blühenden Sträuße in feinem Pinselstrich, die mit Meistern des 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht werden. Neben dem Gebrauchsgeschirr — Teller, Krüge, Becher, Platten, Töpfe und Kannen — wurden dekorative Stücke und besondere Formen hergestellt, etwa die fischförmigen Becher.

Diese Tradition gehört zur Welt der portugiesischen dekorativen Künste und teilt mit der Kunst des Azulejo gemeinsame Techniken der Glasur und der Keramikmalerei, wenngleich für unterschiedliche Träger und Funktionen bestimmt.

Niedergang und Erinnerung

Im Laufe des 20. Jahrhunderts leerten die Konkurrenz des industriellen Geschirrs und der Wandel der häuslichen Gewohnheiten den Bairro das Olarias allmählich. Von den vielen Werkstätten, die dort gearbeitet hatten, blieb bereits um die Jahrhundertmitte nur noch ein halbes Dutzend übrig, und die letzte historische Fayence-Töpferei von Coimbra sollte 2007 schließen — eine Schließung, die von Forschern des portugiesischen Keramikerbes eingehend untersucht wurde.

Die Fayence aus Coimbra bleibt gleichwohl ein Wahrzeichen der materiellen Kultur der Stadt und ein wesentliches Kapitel des immateriellen Kulturerbes Portugals. Ihr Vermächtnis wird in Museumssammlungen bewahrt, in der Sanierung ehemaliger Töpferorte und in der Arbeit von Keramikern, die ihre Modelle weiterhin neu interpretieren und damit eine der raffiniertesten Traditionen bemalter Fayence des Landes lebendig halten.

Häufige Fragen

Was unterscheidet die Fayence aus Coimbra von anderen portugiesischen Fayencen?
Die handgemalten Motive orientalischer und barocker Inspiration mit einer charakteristischen Palette, die Kobaltblau und Violett (Sepia) mit Grün und Gelb verbindet, aufgetragen auf hellem Scherben und einer Zinnglasur. Die mit aranhões (Rankenwerk) verzierten Teller und die mehrfarbigen Blumensträuße sind wiedererkennbare Markenzeichen dieser Tradition.
Wo wurde die Fayence aus Coimbra hergestellt?
Im Bairro das Olarias, in der historischen Altstadt von Coimbra, nahe der heutigen Rua dos Oleiros, wo seit dem 16. Jahrhundert Dutzende von Fayence-Werkstätten tätig waren, die die Stadt zu einem der größten Töpferzentren des Landes machten.
Wird in Coimbra noch traditionelle Fayence hergestellt?
Die traditionelle Produktion ging im Laufe des 20. Jahrhunderts zurück, und die letzte historische Fayence-Töpferei schloss 2007. Die Tradition überlebt vor allem in handwerklichen Werkstätten und in der Nachbildung alter Modelle durch zeitgenössische Keramiker.

Quellen

  1. Cerâmica de Coimbra — Câmara Municipal de Coimbra
  2. Luís Sebastian, Filipa Formigo — A Última Olaria de Faiança de Coimbra
  3. A produção oleira de faiança em Portugal (séculos XVI-XVIII) — RUN, Universidade NOVA