Immaterielles Erbe

Traditionelle Weberei und Decken

Das Handweben von Woll­decken und ­überwürfen in Portugal, von den Mantas aus Reguengos über den Cobertor de Papa bis zur Churra-Wolle aus Castro Laboreiro.

Das Handweben von Wolle ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Textilkünste Portugals. An hölzernen Webstühlen verwandelten Spinnerinnen und Weberinnen jahrhundertelang das Vlies der Herden in Decken, Überwürfe und Tuche für die Kleidung und passten die Produktion dem verfügbaren Material und den Aufträgen an. An ein und demselben Webstuhl war es üblich, in der einen Zeit Wolldecken und in der anderen Tücher aus Leinen oder Baumwolle zu weben. Eng mit der Viehzucht und der Transhumanz und Weidewirtschaft verbunden, verankerte diese Tätigkeit in jeder Region ein eigenes Repertoire an Bindungen, Mustern und Farben.

Decken, Überwürfe und Regionen

Im Alentejo sind die Mantas aus Reguengos de Monsaraz das bekannteste Beispiel. Aus der seit dem Mittelalter in der Region reichlich vorhandenen Merinowolle gewoben, zeichnen sie sich durch lebhafte Streifen und geometrische Motive aus, deren Grundmuster auf Wurzeln islamischer Inspiration verweist, im Gegensatz zur eher figürlichen Ästhetik anderer Traditionen. Die Fábrica Alentejana de Lanifícios, seit 1915 in Betrieb, hielt die Handwebstühle im Einsatz und trug dazu bei, die Alentejo-Decke weit über ihr Gebiet hinaus bekannt zu machen.

In der Serra da Estrela und im Kreis Guarda liegt ein weiteres Zentrum. Von hier stammen der Burel der Serra da Estrela, das gewalkte Tuch der Hirtenumhänge, und der Cobertor de Papa, ein zottiges Stück aus Churra-Wolle, an gänzlich von Hand betriebenen Webstühlen gesponnen und gewebt und anschließend mit Wasser und Erde gefilzt — die „Papa”, die ihm den Namen gibt. Ursprünglich aus Gemeinden wie Maçainhas, Meios und Trinta stammend, war der Cobertor de Papa ab 2008 Gegenstand eines Wiederbelebungsbemühens, mit der Schule für Kunst und Handwerk von Maçainhas und 2015 der Gründung eines Vereins zur Sicherung seiner Authentizität.

Im Minho, in Bergdörfern wie Castro Laboreiro, im Kreis Melgaço und mitten im Nationalpark Peneda-Gerês, hat sich eine häusliche Weberei aus Churra-Wolle erhalten. Während der langen Winter wird auf alten Webstühlen weiterhin die Wolle gesponnen und gewebt, die jene kleidet und schützt, die diese Hochlande bewohnen, wo die Abgeschiedenheit half, Trachten und gemeinschaftliches Wissen zu bewahren.

Die Technik und der Webstuhl

Der Zyklus beginnt stets mit der Schur der Herde. Die Wolle wird gewaschen, gekrempelt und gesponnen — idealerweise von derselben Person, damit der Faden eine gleichbleibende Stärke und Beschaffenheit behält — bevor sie am Webstuhl geschärt wird. Das eigentliche Weben verbindet die Kette (die längs verlaufenden, gespannten Fäden) mit dem Schuss (dem Faden, den der Weber von einer Seite zur anderen führt), und in der Abwechslung der Fäden entstehen Streifen, Karos und Muster.

Bei vielen Decken und Überwürfen kommt das Tuch noch offen vom Webstuhl und wird anschließend gefilzt: durch mechanisches Walken im Fall des Burel oder durch Verfahren mit Wasser und Klopfen im Fall des Cobertor de Papa. Das Filzen lässt die Fasern schrumpfen und verdichtet sie, schließt das Gewebe und verleiht ihm Gewicht, Wärme und Widerstandsfähigkeit. Diese technische Meisterschaft rückt die Weberei in die Nähe anderer nationaler Textilkünste, wie der Teppiche von Arraiolos, auch wenn diese auf der Stickerei und nicht auf dem Webstuhl beruhen.

Bewahrung und heutige Bedeutung

Mit der Verbreitung industriell gefertigter Kleidung, dem Ausbau der Verkehrswege und der Landflucht wurden viele Webstühle in den Dörfern nach und nach aufgegeben, und die Praxis verlor im Laufe des 20. Jahrhunderts an Ausübenden. Die traditionelle Weberei überlebt heute vor allem durch Werkstätten, Wolltuchfabriken und Vereine, die das Können bewahren und neue Handwerker ausbilden. Anerkannt als Teil des immateriellen Kulturerbes Portugals, vereint die Kunst der Decken und der Wollweberei pastorale Erinnerung, regionale Identität und einen Gebrauchswert, der wegen seiner Authentizität und Langlebigkeit erneut gefragt ist.

Häufige Fragen

Was zeichnet eine traditionelle portugiesische Decke aus?
Es ist ein von Hand am Webstuhl gewebtes Stück, gefertigt aus 100 % Schafwolle, ohne Beimischung synthetischer Fasern. Jede Region entwickelte eigene Motive und Techniken, von den Streifen und geometrischen Mustern der Decken aus Reguengos bis zum langen, zottigen Flor des Cobertor de Papa.
Wo wird die Deckenweberei in Portugal noch lebendig gehalten?
Aktive Zentren bestehen weiter in Reguengos de Monsaraz im Alentejo, rund um die Alentejo-Decken; in der Serra da Estrela und im Kreis Guarda, mit dem Burel und dem Cobertor de Papa; sowie in Bergdörfern wie Castro Laboreiro im Minho, wo Churra-Wolle weiterhin gesponnen und gewebt wird.
Wie wird Wolle zur Decke verarbeitet?
Nach der Schur wird die Wolle gewaschen, gekrempelt, gesponnen und am Webstuhl geschärt. Es folgt das Weben des Tuches und in vielen Fällen das Filzen durch Walken oder Klopfen, das die Fasern verdichtet und der Decke ihr charakteristisches Gewicht, ihre Wärme und Widerstandsfähigkeit verleiht.

Quellen

  1. Burel – Wikipédia
  2. Cobertor de Papa – Wikipédia
  3. Tecelagem de Lã – Programa Saber Fazer
  4. As Mantas de Reguengos de Monsaraz – Esporão