Archäologie

Das Neolithikum in Portugal

Das Neolithikum in Portugal: Neolithisierung, agro-pastorale Gemeinschaften, Cardialkeramik, Siedlungen und die Monumentalisierung der Landschaft zwischen dem…

Das Neolithikum in Portugal
Vitor Oliveira from Torres Vedras, PORTUGAL, CC BY-SA 2.0 — Wikimedia Commons

Das Neolithikum bezeichnet den prähistorischen Zeitraum, in dem menschliche Gemeinschaften die ausschließliche Abhängigkeit von Jagd, Fischfang und Sammelwirtschaft überwinden und durch Ackerbau und Tierdomestikation ihre Nahrung selbst produzieren. Diese Transformation – Neolithisierung genannt – war kein plötzliches oder einheitliches Ereignis, sondern ein langsamer, regional differenzierter Prozess, der im heutigen Portugal vor allem zwischen der Mitte des 6. und dem Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. stattfand. Mehr als eine bloße Ernährungsumstellung bedeutete sie eine neue Beziehung zur Erde: Sesshaftigkeit, Überschussproduktion und das Entstehen neuartiger sozialer und religiöser Organisationsformen.

Die Neolithisierung des Territoriums

Die ersten neolithischen Spuren auf portugiesischem Boden (ca. 5500–5400 v. Chr.) finden sich in den küstennahen Kalksteinregionen des Südens – der Estremadura, dem Unterlauf des Tejo und der westlichen Algarve. Zwei Modelle werden diskutiert: die maritime Diffusion durch mediterrane Bauerngruppen oder die schrittweise Übernahme neuer Techniken durch lokale Populationen. Die mit Muschelabdrücken verzierte Cardialkeramik (benannt nach der Herzmuschel) verbindet das portugiesische Frühneolithikum mit dem westmediterranen Kulturraum von Ligurien bis zum Atlantik.

Parallel dazu bestanden im Tejo- und Sado-Tal mesolithische Gemeinschaften weiter, die die bemerkenswerten Muschelhaufen von Muge und Sado hinterließen – riesige Ansammlungen von Muscheln, Speiseresten und Gräbern. Der Kontakt zwischen Jäger-Sammlern und ersten Bauern war teilweise langwierig: Die vollständige Neolithisierung in Gebieten wie Sines erfolgte erst um 5000 v. Chr. Diese Konstellationen machen Portugal zu einem der reichsten europäischen „Labore“ für die Erforschung des Übergangs vom Paläolithikum und Mesolithikum zu produzierenden Gesellschaften.

Neolithisierung war kein Bevölkerungsaustausch, sondern eine langsame Neuordnung von Wissen, Praktiken und Glaubensvorstellungen – der erste Moment, in dem ganze Gemeinschaften beschlossen, die Landschaft zu verändern, um in ihr zu verweilen.

Siedlungen, Wirtschaft und materielle Kultur

Neolithische Gemeinschaften lebten in kleinen Siedlungen, oft nahe fruchtbarer Böden und Wasserläufe. Sie kultivierten Getreide (Weizen, Gerste) und Hülsenfrüchte sowie Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine. Die materielle Kultur zeichnet sich durch geschliffene Steinwerkzeuge (v.a. Äxte und Dechsel zur Rodung) und Keramik aus, die von Cardial- zu glatten und eingeritzten Formen übergeht. Hinzu kommen Mahlsteine, Schmuckperlen und Feuersteinindustrien, die ältere Traditionen fortsetzen.

Im mittleren und späten Neolithikum (ab ca. 4000 v. Chr.) verdichtete sich die Besiedlung und breitete sich ins Landesinnere aus. In dieser Phase begann auch die bis heute sichtbare Monumentalisierung der Landschaft – ein beispielloser Akt territorialer und symbolischer Selbstvergewisserung.

Monumentalbau und megalithisches Erbe

Das spektakulärste Merkmal des portugiesischen Neolithikums ist die Errichtung großer Steinmonumente. Ab dem späten 6. Jahrtausend v. Chr. errichteten agro-pastorale Gemeinschaften Dolmen, Menhire und Steinkreise, die die Iberische Halbinsel zu einer Wiege der europäischen Megalithkultur machten. Im Alentejo zählt der Cromeleque dos Almendres zu den ältesten Steinkreisen des Kontinents – Zeugnis eines Denkens, das Totenkult, Himmelsbeobachtung und Landschaftsordnung verband.

Diese Monumentalisierung setzte sich in der Kupfersteinzeit fort (nun mit Kupfermetallurgie und befestigten Siedlungen), wurzelt aber vollständig im Neolithikum. Die Erforschung dieser Epoche, zentral für die portugiesische Archäologie, revidiert durch neue Datierungen und Ausgrabungen beständig unser Verständnis von Alter und Komplexität der ersten Gesellschaften, die die iberische Landschaft nachhaltig umgestalteten.

Häufige Fragen

Wann begann das Neolithikum in Portugal?
Die ersten neolithischen Spuren auf portugiesischem Gebiet datieren auf etwa 5500–5400 v. Chr. und konzentrierten sich zunächst auf die Estremadura, das Tejo-Tal und die Algarve. In benachbarten Regionen hielten mesolithische Jäger-Sammler-Gemeinschaften ihre Lebensweise bis ins frühe fünfte Jahrtausend v. Chr. aufrecht.
Was ist Neolithisierung?
Es ist der Übergang von Jäger-Sammler-Wirtschaft zu produzierenden Wirtschaftsformen, basierend auf Landwirtschaft und Viehzucht, begleitet von Sesshaftwerdung, Keramikherstellung und geschliffenen Steinwerkzeugen. In Portugal verlief dieser Prozess graduell und ungleichmäßig, wobei einige Regionen früher und andere widerständiger waren.
Was unterscheidet Neolithikum und Kupfersteinzeit?
Das Neolithikum ist durch erste agro-pastorale Gesellschaften und megalithische Monumente mit geschliffenen Steinwerkzeugen geprägt. Die darauf folgende Kupfersteinzeit (ab ca. 3000 v. Chr.) bringt Kupfermetallurgie, befestigte Siedlungen und größere soziale Komplexität mit sich.

Quellen

  1. Neolítico — Wikipédia
  2. Pré-história da Península Ibérica — Wikipédia
  3. Cardium pottery — Wikipedia