Immaterielles Erbe

Das Schweineschlachten (Matança do Porco)

Das Schweineschlachten, ein gemeinschaftliches Ritual des ländlichen portugiesischen Winters: Praktiken, Wurstwaren, Sarrabulho und sein Platz im immateriellen…

Das Schweineschlachten (Matança do Porco)
José Luís Ávila Silveira/Pedro Noronha e Costa, Public domain — Wikimedia Commons

Das Schweineschlachten (matança do porco) ist eines der am tiefsten verwurzelten Rituale des ländlichen portugiesischen Kalenders. Jahrhundertelang stellte es für die meisten Bauernfamilien die wichtigste Reserve an tierischem Eiweiß für das ganze Jahr dar: vom Schwein „wurde alles verwertet”, in einer Subsistenzwirtschaft, in der kaum etwas verschwendet wurde. Mehr als ein Akt des Schlachtens war es ein gesellschaftliches Ereignis, das Verwandte, Nachbarn und Freunde rund um die gemeinsame Arbeit und das begleitende Fest zusammenführte.

Kalender und Praktiken

Das Schlachten konzentriert sich auf die kalten Monate, vor allem zwischen November und Januar, weil die niedrige Temperatur unerlässlich ist, um das Fleisch zu konservieren und die Wurstwaren zu reifen, ohne dass sie verderben. Der Tag gliedert sich nach einer bekannten Abfolge: das Schlachten im Morgengrauen, das Auffangen des Blutes, das Brühen und Abschaben der Borsten, das Öffnen des Schlachtkörpers und das Zerlegen. Jeder Handgriff hat seinen Verantwortlichen, und das Wissen wird mündlich, von Generation zu Generation, im Tun selbst weitergegeben.

Aus dem Zerlegen ergibt sich eine Kette von Verarbeitungsschritten, die sich über Wochen erstreckt. Das Fleisch wird gesalzen, gewürzt und in Därme gefüllt, um die geräucherten Wurstwaren hervorzubringen: Chouriças, Salpicões, Paios und in bestimmten Regionen die Alheira. Die Stücke gelangen anschließend in die Räucherkammer, wo das langsame Räuchern — historisch unverzichtbar für die Haltbarmachung — ihnen ihr charakteristisches Aroma verleiht. Gerichte zum sofortigen Verzehr, wie der mit dem gekochten Blut zubereitete Sarrabulho, prägen das gemeinschaftliche Mahl, das den Arbeitstag beschließt.

Gemeinschaftliche und symbolische Dimension

Mehr als ein Versorgungsvorgang war das Schlachten ein Moment der Geselligkeit und der Stärkung der Bande gegenseitiger Hilfe. Die gemeinsame Anwesenheit, die Aufteilung der Aufgaben und das Teilen der ersten Köstlichkeiten ordneten es in einen festlichen Zyklus des ländlichen Winters ein, nahe anderen Ausdrucksformen des portugiesischen immateriellen Kulturerbes. In vielen Dörfern verband der Kalender es mit den winterlichen Festlichkeiten, die den Nordosten von Trás-os-Montes und die innere Beira prägen.

Wurstwaren und Schweinefleisch bilden überdies eine Säule der traditionellen Ernährung des Landesinneren, im Dialog mit den Werten des Teilens, der Saisonalität und der vollständigen Nutzung, die die mediterrane Ernährung prägen. Auch in der materiellen Welt der Weidewirtschaft und des ländlichen Lebens — zu der etwa die Herstellung von Glocken gehört — findet das Schlachten seinen weitesten kulturellen Kontext.

Erbe und Bewahrung

Die häusliche Praxis ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, infolge der Landflucht, der Veränderungen der Lebensweisen und der hygienischen Regulierung. Die portugiesische Gesetzgebung erlaubt das Schlachten für den Eigenverbrauch weiterhin, innerhalb von Grenzen und Hygienevorschriften, ebenso wie seine Durchführung bei öffentlichen Veranstaltungen kulturellen und gastronomischen Charakters.

Als Reaktion auf diesen Rückgang haben Gemeinden, Bruderschaften und Vereine Nachstellungen und Schlachtfeste gefördert, vor allem in Trás-os-Montes, im Minho und in den Beiras, die darauf abzielen, die mit dem Ritual verbundenen Handgriffe, Kenntnisse und Geschmäcker im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Diese Bemühungen sind Teil der Arbeit der Inventarisierung und Bewahrung des immateriellen Erbes und erkennen im Schweineschlachten nicht nur eine Technik der Lebensmittelerzeugung, sondern ein kulturelles Gefüge, das Arbeit, Fest, Gastronomie und Identität der portugiesischen Landgemeinden vereint.

Häufige Fragen

Zu welcher Jahreszeit findet das Schweineschlachten statt?
Es wird vor allem zwischen November und Januar durchgeführt, in der kältesten Zeit, weil die niedrigen Temperaturen die Konservierung des Fleisches und das Reifen der Wurstwaren erleichtern.
Ist das Schweineschlachten für den Eigenbedarf in Portugal erlaubt?
Ja. Die portugiesische Gesetzgebung erlaubt das häusliche Schlachten von Schweinen für den Eigenverbrauch unter Einhaltung hygienischer Vorschriften; öffentliche Veranstaltungen des traditionellen Schlachtens sind ebenfalls zu kulturellen und gastronomischen Zwecken zulässig.
Welche Erzeugnisse entstehen beim Schlachten?
Frisches Fleisch, Speck und Schmalz sowie ein breites Sortiment geräucherter Wurstwaren wie Chouriça, Salpicão und Alheira, dazu sofort verzehrte Gerichte wie Sarrabulho.

Quellen

  1. MEMORIAMEDIA — Inventário de Património Imaterial
  2. ASAE — Matança do Porco (perguntas frequentes)