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Modernismus in der portugiesischen Architektur

Der Modernismus in der portugiesischen Architektur: Von Stahlbeton und Rationalismus der Generation der 1920er Jahre bis zu den Spannungen mit dem…

Modernismus in der portugiesischen Architektur
Carlos Perestrello, Public domain — Wikimedia Commons

Der Modernismus brach in der portugiesischen Architektur mit dem im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert vorherrschenden Eklektizismus und Historismus. Obwohl erste kohärente Manifestationen erst Ende der 1920er Jahre auftraten, markierte die Bewegung eine tiefgreifende Wende: die Ablösung akademischer Kompositionsprinzipien durch eine auf Funktion, Materialökonomie und direkter Materialexpression basierende Formensprache. Zusammen mit dem Art Déco in Portugal, mit dem er koexistierte und sich teilweise vermischte, prägte der Modernismus das Gesicht der portugiesischen Architektur zwischen den Weltkriegen und wirkte in erneuerten Formen bis Mitte des Jahrhunderts nach.

Voraussetzungen und Protagonisten

Drei Faktoren ermöglichten diese Erneuerung. Erstens der technische: Die Verbreitung von Stahlbeton befreite Grundriss und Fassade von den Zwängen tragender Wände und erlaubte große Spannweiten, Terrassen und reduzierte Volumetrien. Zweitens der generationelle: An den Kunsthochschulen in Lissabon und Porto bildete sich eine Architektengruppe, die das eklektische Repertoire zugunsten einer dezidiert modernen Konzeption aufgab. Drittens der politische: Die Instabilität der Ersten Republik mündete 1926 in eine Militärdiktatur und später in den Estado Novo.

In Lissabon prägten Namen wie Luís Cristino da Silva, Cassiano Branco, Porfírio Pardal Monteiro, Jorge Segurado, Cottinelli Telmo und die Brüder Carlos und Guilherme Rebelo de Andrade die neue Sprache. In Porto gingen Impulse von Persönlichkeiten wie Morais Soares und Cunha Leão aus, wobei Carlos Ramos als Direktor der Kunsthochschule entscheidende Dynamik entfaltete – eine Lehrtätigkeit, die die spätere Escola do Porto begründete.

Schlüsselwerke

Als Initialwerk gilt das Cineteatro Capitólio im Parque Mayer, entworfen von Cristino da Silva (ab 1925 geplant, 1931 eröffnet), dessen Stahlbetonkonstruktion auf den Ingenieur Belard da Fonseca zurückgeht. Cassiano Branco schuf das Éden-Teatro und mehrere Gebäude von ausgeprägter Plastizität. Pardal Monteiro entwarf das Instituto Superior Técnico (1929-1941), ein Ensemble, das für die Akzeptanz moderner Architektur durch Staat und Privatinitiative entscheidend war, sowie später die Igreja de Nossa Senhora de Fátima mit Glasfenstern von Almada Negreiros. Jorge Segurado gestaltete das Liceu Dona Filipa de Lencastre (1937) und wirkte an der Casa da Moeda mit.

Der portugiesische Modernismus war selten reiner Rationalismus: Er entstand als Mischform, die funktionalistische Reduktion mit Art-Déco-Ornamentik und später mit der vom Regime geforderten Monumentalität verband.

Zwischen Moderne und Nationalismus

Die Konsolidierung des Estado Novo führte zu einer entscheidenden Spannung. Das Regime unter António Ferro und dem Secretariado de Propaganda Nacional zog zwar moderne Künstler an, begünstigte aber zunehmend eine nationalistische, monumentale und klassizistisch inspirierte Ästhetik. Viele der Pionierarchitekten – darunter Cottinelli Telmo, Schöpfer des zerstörten Zentralpavillons und des Padrão dos Descobrimentos für die Ausstellung Exposição do Mundo Português 1940 – mäßigten ihre rationalistische Sprache und prägten den sogenannten „português suave“ (sanften Portugiesen). Diese Wende steht im Zentrum der Architektur des Estado Novo und erklärt, warum die Geschichtsschreibung der 1960er Jahre diese Phase als Rückzug von internationalen Avantgarden deutete.

Die Rückkehr zur modernen Agenda erfolgte vor allem ab Ende der 1940er und in den 1950er Jahren und ebnete den Weg für die zeitgenössische Architektur in Portugal. Aus der Distanz betrachtet, hinterließ der Modernismus ein doppeltes Erbe: eine bemerkenswerte Gruppe heute denkmalgeschützter Stadtgebäude und die Ausbildung einer architektonischen Kultur, die den internationalen Ruf der portugiesischen Architektur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermöglichte.

Häufige Fragen

Welches Gebäude gilt als erstes modernistisches Bauwerk Portugals?
Das Cineteatro Capitólio in Lissabon, entworfen von Luís Cristino da Silva und 1931 eröffnet, wird allgemein als erstes modernistisches Werk Portugals angesehen, das moderne Formensprache mit Art-Déco-Einflüssen verbindet.
Wer waren die Hauptvertreter des Modernismus in Portugal?
Zu nennen sind Luís Cristino da Silva, Cassiano Branco, Carlos Ramos, Porfírio Pardal Monteiro, Jorge Segurado, Cottinelli Telmo und die Brüder Rebelo de Andrade, die vor allem ab Ende der 1920er Jahre aktiv waren.
Warum geriet der Modernismus in Konflikt mit dem Estado Novo?
Ab den 1930er Jahren förderte das Regime eine nationalistische und monumentale Ästhetik, die viele modernistisch geprägte Architekten zur Mäßigung ihrer rationalistischen Sprache zwang – eine Phase der Synthese zwischen Moderne und Nationalismus entstand.

Quellen

  1. Modernismo em Portugal — Wikipédia
  2. Cineteatro Capitólio — Wikipédia
  3. Carlos Ramos — Instituto Camões