Welterbe

Festas do Povo von Campo Maior

Die Festas do Povo von Campo Maior im Alentejo, bei denen sich die Straßen mit Papierblumen bedecken. Immaterielles Kulturerbe der Menschheit seit 2021.

Festas do Povo von Campo Maior
João Lages Fernandes, CC BY-SA 4.0 — Wikimedia Commons

Bei den Festas do Povo von Campo Maior, einem Ort im Distrikt Portalegre im Alentejo, verschwinden die Straßen unter Millionen von Papierblumen. Auch bekannt als Festas das Flores (Blumenfeste) oder Festas dos Artistas (Künstlerfeste), zählen sie zu den eigentümlichsten Ausdrucksformen der portugiesischen Volkskultur und stehen seit dem 15. Dezember 2021 auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO.

Ein Fest, das das Volk bestimmt

Das bemerkenswerteste Merkmal dieser Feste ist, dass sie keine feste Periodizität haben. Sie folgen weder einem Kalender noch einem Gedenktag noch einem Beschluss der Gemeinde: Sie finden statt, wenn das Volk spontan beschließt, sie auszurichten. Daher können zwischen den einzelnen Ausgaben viele Jahre vergehen, was jeder von ihnen einen unwiederholbaren Charakter verleiht und sie zutiefst ersehnt macht. Die Organisation entsteht von unten nach oben, durch Straßenkomitees, die beschließen mitzumachen, das Datum festlegen und im Geheimen das Thema, die Farben und die dekorativen Motive ihres Abschnitts entwerfen.

Etwa neun Monate lang versammeln sich Nachbarn jeden Alters in Häusern und Garagen, um Blumen, Girlanden und Strukturen aus Papier und Karton zu schneiden, zu falten und zu kleben. Die Geheimhaltung ist ein wesentlicher Teil des Rituals: Jede Straße hütet ihr Projekt bis zum Vorabend und baut dann alles auf einmal in der Nacht auf. Wenn der Ort erwacht, ist er nicht wiederzuerkennen — und zwischen den Straßen entsteht ein gesunder Wettstreit darum, welche den originellsten und leuchtendsten Schmuck hat.

Das Außergewöhnliche an den Festas do Povo liegt nicht allein im visuellen Ergebnis, sondern darin, dass eine ganze Gemeinschaft bereit ist, monatelang im Geheimen für eine Verwandlung zu arbeiten, die nur wenige Tage dauert und die niemand auferlegt.

Wurzeln und Bedeutung

Die Tradition, die Straßen zu schmücken, geht auf das Jahr 1897 zurück, auch wenn ihre Wurzeln im Kult des heiligen Johannes des Täufers liegen, des Schutzpatrons von Campo Maior seit dem 16. Jahrhundert. Die Feierlichkeiten begannen verbunden mit den religiösen Festlichkeiten zu Ehren des Heiligen, eine Dimension, die im Laufe des 20. Jahrhunderts allmählich ihren formellen Charakter verlor, während die Hauptrolle ganz auf die Initiative des Volkes und den kollektiven Erfindergeist seiner anonymen Künstler überging.

Mehr als ein Schauspiel sind die Feste ein Mechanismus des sozialen Zusammenhalts: Sie stärken das Zugehörigkeitsgefühl, geben handwerkliches Können von Generation zu Generation weiter und mobilisieren Auswanderer und verstreute Angehörige, die in den Ort zurückkehren, um teilzunehmen. Diese gemeinschaftliche Lebendigkeit rückt sie in die Nähe anderer lebendiger Ausdrucksformen des immateriellen Kulturerbes Portugals, vom Cante Alentejano, das ebenfalls aus dem Alentejo stammt, bis zu den Winterfesten und Caretos von Podence in Trás-os-Montes.

Internationale Anerkennung

Die Aufnahme in die UNESCO-Liste unter der Referenznummer 01604 reihte Campo Maior in den erlesenen Kreis der portugiesischen Traditionen ein, die als Erbe der Menschheit in ihrer immateriellen Ausprägung ausgezeichnet wurden. Die Anerkennung würdigt nicht ein Monument, sondern ein Können und eine soziale Praxis — die Fähigkeit einer kleinen Gemeinschaft, sich gemeinschaftlich und in ihrem eigenen Rhythmus neu zu erfinden und aus der Straße ein vergängliches, geteiltes Kunstwerk zu machen.

Häufige Fragen

Wann finden die Festas do Povo von Campo Maior statt?
Sie haben keinen festen Kalender. Sie werden nur dann abgehalten, wenn die Bevölkerung des Ortes beschließt, sie zu veranstalten, und zwischen den einzelnen Ausgaben können viele Jahre vergehen. Traditionell werden sie im Sommer rund um das Fest Johannes des Täufers gefeiert.
Warum füllen sich die Straßen mit Papierblumen?
Jede Straße, in einem Komitee organisiert, fertigt etwa neun Monate lang Tausende von Blumen und Schmuckstücken aus Papier und Karton an, die bis zum Aufbau geheim gehalten und dann auf einmal montiert werden, wodurch sich der Ort über Nacht verwandelt.
Seit wann sind sie UNESCO-Erbe?
Die Festas do Povo von Campo Maior wurden am 15. Dezember 2021 unter der Referenznummer 01604 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.

Quellen

  1. UNESCO – Community festivities in Campo Maior (ref. 01604)
  2. Comissão Nacional da UNESCO – Festas do Povo de Campo Maior
  3. Matriz PCI – Inventário Nacional do Património Cultural Imaterial