Patrimónios Studien zum portugiesischen Kulturerbe

Epochen & Stile

Rokoko in Portugal

Das Rokoko in Portugal: der leichte, asymmetrische Geschmack der Jahrhundertmitte mit André Soares, der vergoldeten Holzschnitzerei und den Kirchen von Braga und des Nordens.

Häufige Fragen Quellen
Rokoko in Portugal
Michael Coghlan from Adelaide, Australia, CC BY-SA 2.0 — Wikimedia Commons
Errichtet
c. 1740–1780
Stil
Rococó

Das Rokoko erreichte Portugal um 1740 als letzte Wendung des barocken Geschmacks: leichter, intimer und entschieden asymmetrisch. Der Begriff leitet sich vom französischen rocaille ab – der Arbeit mit Muscheln und unregelmäßigen Steinen, die Grotten und Brunnen schmückte –, und in dieser Grammatik aus Muschelwerk, Voluten und Akanthusblättern liegt seine Handschrift. Anstelle der ernsten Monumentalität des Barock der Regierungszeit Joãos V. sucht das Rokoko Anmut, wellenförmige Bewegung und Überraschung, in einer Ornamentik, die scheinbar nie zur Ruhe kommt.

Eine portugiesische Fassung, vom Granit bis zur Schnitzerei

Anders als in Frankreich oder Bayern wurde das Rokoko in Portugal nie zu einem voll entwickelten höfischen Stil. Es passte sich vielmehr dem Temperament und den Materialien des Landes an: Der dunkle Granit des Nordens, in nervös geführte Rahmen gemeißelt, kontrastiert mit dem weißen Kalk der Wände und verleiht den Fassaden eine grafische, kraftvolle Zeichnung. Im Innern der Kirchen erreicht die vergoldete Holzschnitzerei hier einen ihrer erfindungsreichsten Momente, mit geschwungenen Retabeln, bewegten Engeln und einer Fülle von Ornamenten, die ganze Wände in Gold kleiden.

Das portugiesische Rokoko ist weniger ein importierter Stil als eine Übersetzung: Die Pariser rocaille, gefiltert durch Augsburger Stiche, gewinnt in Braga die harte Festigkeit des Granits und das goldene Licht der Schnitzerei.

Braga und der Nordwesten als Zentren des Rokoko

Das große Zentrum des nationalen Rokoko war das Minho, insbesondere Braga. Die Zerstörung Lissabons durch das Erdbeben von 1755 – und die Dringlichkeit des pombalinischen, bereits nüchterneren Wiederaufbaus – verlagerte die schöpferische Energie der Epoche in den unversehrten Norden. Die zentrale Figur ist André Soares (1720–1769), ein autodidaktischer Bracarenser, der sein Formenvokabular aus mitteleuropäischen Stichen entwickelte und es mit außergewöhnlicher Konsequenz durchsetzte. Auf ihn gehen die Casa do Raio (1754–1755), die üppige Fassade der Igreja dos Congregados, die Casa da Câmara, der Arco da Porta Nova und das Heiligtum Santa Maria Madalena da Falperra zurück.

Um Soares bildete sich eine ganze Schule. Der Benediktinermönch Frei José de Santo António Vilaça schuf zwischen 1757 und 1760 die Schnitzarbeiten des Klosters São Martinho de Tibães – ein Hauptwerk der Holzbildhauerei jener Zeit – und verbreitete den Geschmack im ganzen Gebiet zwischen Douro und Minho. Die monumentale Treppenanlage des Bom Jesus do Monte mit ihren Terrassen und allegorischen Brunnen gehört ebenfalls in diese Welt inszenierter Frömmigkeit. In Porto hatte die theatralische Lehre von Nicolau Nasoni den Boden für den Geschmack der rocaille bereits vorbereitet.

Lissabon, Queluz und das Ende des Stils

Im Süden fand das Rokoko einen zurückhaltenderen Ausdruck. Sein größtes Monument ist der Nationalpalast von Queluz, der 1747 für Infant D. Pedro begonnen wurde: Mateus Vicente de Oliveira entwarf den Hauptkörper, und der Franzose Jean-Baptiste Robillon zeichnete für den Westflügel und die Gärten verantwortlich, in einer Verfeinerung nach versailler Vorbild, die dem palastartigen Rokoko europäischer Prägung in Portugal am nächsten kommt. In Lissabon verlängern einige nach dem Erdbeben errichtete Kirchen und dekorative Elemente der Basílica da Estrela den Geschmack bis zum Ende des Jahrhunderts.

Ab den 1770er und 1780er Jahren wichen Kurve und Asymmetrie der geraden Linie, der Symmetrie und der Zurückhaltung des Klassizismus, der mit der Real Academia und der Regierungszeit D. Marias I. den Zyklus endgültig beendete. Das Rokoko hinterließ jedoch ein eigenständiges Vermächtnis: Das Ensemble von André Soares in Braga zählt zu den Meisterwerken des Stils im europäischen Maßstab und macht Braga zu einer der Städte, in denen die rocaille außerhalb ihrer französischen Heimat am besten Wurzeln geschlagen hat.

Häufige Fragen

Wer war der bedeutendste Architekt des portugiesischen Rokoko?
André Soares (1720–1769), gebürtiger Bracarenser, gilt als die bedeutendste Gestalt des Rokoko in Portugal. Als Autodidakt übertrug er die Grammatik der Rocaille in Granit und Schnitzwerk, mit Werken wie der Casa do Raio, der Igreja dos Congregados und dem Heiligtum von Falperra.
Wo konzentriert sich das Beste des portugiesischen Rokoko?
Im Nordwesten, vor allem in Braga, Guimarães und Porto, die vom Erdbeben von 1755 verschont blieben. Dort blühten die vergoldete Holzschnitzerei mit üppigen Formen und ein einzigartiger Bestand an Kirchen, Kapellen und profanen Bauten auf.
Worin unterscheidet sich das Rokoko vom Barock der Regierungszeit Joãos V.?
Der Barock der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (barroco joanino) ist monumental, symmetrisch und schwer; das darauf folgende Rokoko ist leichter, asymmetrisch und anmutig und wird von Muschel- und Akanthusblattornamentik beherrscht.

Quellen

  1. Rococó em Portugal — Wikipédia
  2. André Soares — Infopédia, Porto Editora
  3. Mosteiro de São Martinho de Tibães — DGPC