Immaterielles Erbe
Portugiesische Gitarre
Die portugiesische Gitarre, ein birnenförmiges Chordophon mit zwölf Saiten, das dem Fado von Lissabon und Coimbra eine Stimme verleiht, und die Kunst ihres Baus.
Die portugiesische Gitarre ist ein gezupftes Chordophon mit birnenförmigem Korpus und zwölf Metallsaiten, erkennbar an ihrem kristallklaren Klang und tief mit dem Fado verbunden. Mehr als ein Instrument, ist sie zu einem nationalen Symbol geworden: Ihre klangvolle Stimme begleitet und beantwortet den Gesang und webt die Gegengesänge und Variationen, die dem Fado seine charakteristische Ausdruckskraft verleihen.
Ursprung und Bau
Trotz ihres Namens stammt die portugiesische Gitarre nicht von der klassischen Gitarre ab, sondern von der europäischen Renaissance-Cister — einer Familie von Instrumenten mit gezupften Metallsaiten, die von der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Hofmusik präsent war. In Portugal fand diese Linie ihre Fortsetzung und eine eigene Form und festigte im Laufe des 19. Jahrhunderts die birnenförmige Silhouette, die man heute erkennt.
Die zwölf Saiten sind in sechs Chören angeordnet — sechs Paare, die im Einklang oder in der Oktave gestimmt sind. Die Zahl der Bünde schwankte bei den ältesten Exemplaren zwischen zwölf und siebzehn und erreicht bei den modernen Instrumenten zweiundzwanzig. Das markanteste Element ist der fächerförmige Stimmmechanismus (manchmal preferatura genannt), eine Gruppe von Schneckenschrauben im Kopf des Instruments, die eine feine und stabile Stimmung der Stahlsaiten ermöglicht.
Der Bau der portugiesischen Gitarre ist selbst ein Kulturerbe: Jedes Instrument ist das Ergebnis Dutzender von Handarbeiten — von der Auswahl der Hölzer über das Formen der Zargen bis zur Montage des Fächers — überliefert durch Werkstattlinien.
Die Kunst des Gitarrenbaus konzentriert sich vor allem auf zwei traditionelle Schulen: die von Óscar Cardoso, Erbin der Werkstatt von Ericeira, und die der Familie Grácio, deren letzter großer Name, Gilberto Grácio (1936–2021), Instrumente für maßgebliche Fadosänger und Gitarristen baute. Die Fortführung dieses Wissens wird heute von Einrichtungen wie der Werkstatt für Gitarrenbau des Museu do Fado begleitet.
Die zwei Modelle: Lissabon und Coimbra
Die portugiesische Gitarre hat sich in zwei regionale Modelle herauskristallisiert. Die Lissabonner Gitarre ist die verbreitetste; sie wird vom Hohen zum Tiefen in H–A–E–H–A–D gestimmt und schließt den Kopf mit einer gewundenen Schnecke ab. Die Coimbra-Gitarre, verbunden mit dem Fado von Coimbra, ist größer, mit spitzer zulaufendem Korpus und längerer Mensur, dem Balladencharakter des akademischen Repertoires angepasst; sie wird einen Ton tiefer gestimmt (A–G–D–A–G–C) und zeichnet sich durch die in den Kopf eingelegte Träne anstelle der Schnecke aus.
Dieser Unterschied ist nicht bloß dekorativ: Größe und Stimmung formen das Timbre. Die Coimbra-Gitarre neigt zu einem tieferen, weiteren Klang, die Lissabonner zu einem beweglicheren und ornamentaleren Glanz, der dem lebhaften Dialog mit dem urtümlichen Fado eigen ist.
Musikalische Funktion und Erbe
Im Fado spielt die portugiesische Gitarre selten allein. Sie bildet ein Ensemble mit der Viola de Fado — einer klassischen Gitarre, die die harmonische und rhythmische Begleitung übernimmt — und, im Lissabonner Fado, mit der Viola baixo. Der portugiesischen Gitarre kommt die melodische Rolle des Gegengesangs zu: Sie unterstreicht die Pausen des Fadosängers, betont die Verse und eröffnet die charakteristischen instrumentalen Vorspiele.
Als Soloinstrument erlangte sie durch Gitarristen wie Carlos Paredes Konzertrang, die ihr Repertoire international bekannt machten. Sie gehört von Rechts wegen zur Familie der traditionellen portugiesischen Chordophone und ist Teil des immateriellen Kulturerbes Portugals, untrennbar mit dem Fado verbunden, den die UNESCO 2011 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufnahm.
Häufige Fragen
- Wie viele Saiten hat die portugiesische Gitarre?
- Sie hat zwölf Metallsaiten, die in sechs Chören angeordnet sind, also sechs Paare, die im Einklang oder in der Oktave gestimmt sind und über einem birnenförmigen Resonanzkörper gespielt werden.
- Was ist der Unterschied zwischen der Lissabonner und der Coimbra-Gitarre?
- Die Coimbra-Gitarre ist größer, hat eine längere Mensur und ist einen Ton tiefer gestimmt; sie unterscheidet sich auch am Kopf, der eine eingelegte Träne trägt, während die Lissabonner Gitarre in einer gewundenen Schnecke endet.
- Stammt die portugiesische Gitarre von der klassischen Gitarre ab?
- Nein. Sie geht auf die europäische Renaissance-Cister zurück, ein Instrument mit gezupften Metallsaiten, das sich von der Viola und der klassischen Gitarre mit Nylonsaiten unterscheidet.