Archäologie

Vila Nova de São Pedro

Chalkolithische befestigte Siedlung von Vila Nova de São Pedro in Azambuja, namensgebender Ort der VNSP-Kultur der Estremadura und Nationaldenkmal.

Vila Nova de São Pedro
Vitor Oliveira from Torres Vedras, PORTUGAL, CC BY-SA 2.0 — Wikimedia Commons

Die befestigte Siedlung Vila Nova de São Pedro, auf einem kleinen Kalksteinhügel in der Gemeinde Azambuja gelegen, ist einer der emblemischsten Orte der europäischen Vorgeschichte. Ihre Bedeutung übertrifft bei weitem die bescheidene Größe des Geländes: Hier wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die sogenannte Kultur von Vila Nova de São Pedro definiert – die materielle Ausdrucksform, die das Chalkolithikum der portugiesischen Estremadura zwischen etwa 3200 und 2000 v. Chr. am besten charakterisiert.

Eine Siedlung mit Bastionen

Der zentrale Kern der Siedlung, mit einem Durchmesser von etwa vierzig Metern, war um eine ummauerte Zitadelle mit halbkreisförmigen Bastionen organisiert, auf die äußere Mauerlinien folgten, die verschiedenen Besiedlungsphasen entsprachen. Diese defensive Architektur – massive Türme, die mit Mauerabschnitten verbunden sind – ist nicht exklusiv für Vila Nova de São Pedro: Sie findet enge Parallelen im Castro do Zambujal in Torres Vedras und in der Siedlung von Leceia in Oeiras, die mit ihr die klassische Trias der großen chalkolithischen Siedlungen der Atlantikküste bilden.

Im Inneren wurden in den Untergrund eingetiefte Strukturen mit wahrscheinlich Lagerfunktion sowie eine Zisterne und Überreste von Öfen entdeckt. Die gemeinsame Betrachtung dieser Elemente deutet auf eine sesshafte agro-metallurgische Gemeinschaft hin, die Landwirtschaft und Viehzucht mit Textilproduktion und vor allem mit Kupfermetallurgie verband.

Die Funde und die Definition einer Kultur

Die Ausgrabungen erbrachten eine außerordentlich reiche Ausbeute: Tausende von Feuersteinpfeilspitzen, Palmela-Spitzen, verzierte Keramik – einschließlich Glockenbecher –, Schieferplatten, symbolische Idolatrie und zahlreiche Zeugnisse der Kupferverhüttung. Die Wiederkehr dieser Merkmale in Dutzenden von Fundstellen der Region führte dazu, dass Forscher eine eigene Kulturphase erkannten, die nach dem namensgebenden Ort benannt wurde.

Die Bedeutung von Vila Nova de São Pedro liegt weniger in dem, was man heute vor Ort sieht, und mehr in dem, was es gelehrt hat: Von diesem Hügel aus lernte man, das Chalkolithikum der iberischen Westküste zu lesen.

Die Intensität der Besiedlung machte die Siedlung zeitgleich mit den berühmten Zentren des südöstlichen Spaniens wie Los Millares und integrierte sie in ein iberisches Netzwerk befestigter Gemeinschaften, die Technologien, Siedlungsformen und Fernkontakte teilten.

Forschungsgeschichte und Schutzstatus

Die Stätte wurde 1936 identifiziert und von Afonso do Paço und Eugénio Jalhay in einer der längsten Feldkampagnen der portugiesischen Archäologie zwischen 1937 und 1967 ausgegraben. Nach Jalhays Tod setzte Paço die Arbeiten allein fort, bis er 1968 starb. Die umfangreichen Funde befinden sich im Museu Arqueológico do Carmo in Lissabon unter der Obhut der Associação dos Arqueólogos Portugueses.

In Anerkennung ihres Wertes wurde Vila Nova de São Pedro 1971 zum Nationaldenkmal erklärt und ist das einzige Objekt dieser Kategorie in der Gemeinde Azambuja. Seit 2017 hat das von der Direção-Geral do Património Cultural genehmigte Projekt VNSP 3000 die Ausgrabung und Erforschung der Siedlung wieder aufgenommen und damit einen Ort zurückgewonnen, der weiterhin einen zentralen Platz in der portugiesischen Archäologie und im Verständnis des Übergangs zur Bronzezeit einnimmt.

Häufige Fragen

Was ist die Kultur von Vila Nova de São Pedro?
Es ist die Bezeichnung für die materielle Kultur des Chalkolithikums in der portugiesischen Estremadura, charakterisiert durch befestigte Siedlungen mit halbkreisförmigen Bastionen, intensive Kupfermetallurgie und zahlreiche Feuersteinpfeilspitzen. Sie ist nach der namensgebenden Siedlung in Azambuja benannt.
Wer hat die Siedlung von Vila Nova de São Pedro ausgegraben?
Sie wurde 1936 identifiziert und von Afonso do Paço und Eugénio Jalhay in 31 Kampagnen zwischen 1937 und 1967 ausgegraben, unter der Schirmherrschaft der Associação dos Arqueólogos Portugueses.
Ist die Stätte geschützt?
Ja. Sie ist seit 1971 als Nationaldenkmal klassifiziert (Dekret Nr. 516/71) und das einzige Nationaldenkmal der Gemeinde Azambuja.

Quellen

  1. Castro of Vila Nova de São Pedro — Wikipedia
  2. «Castro» — Povoado Fortificado de Vila Nova de São Pedro — Câmara Municipal de Azambuja
  3. VNSP 3000 — Historiografia — Associação dos Arqueólogos Portugueses