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Epochen & Stile
Romantik und Revivalistische Architektur
Romantik und Revivalismen in der portugiesischen Architektur des 19. Jahrhunderts: Neomanuelino, Neogotik und Neoarabisch, vom Palácio da Pena bis Monserrate…
- Errichtet
- c. 1839–1910
- Stil
- Romantismo, Revivalismos historicistas
Die Romantik führte in der portugiesischen Architektur des 19. Jahrhunderts eine neue Sensibilität ein, geprägt von historischer Evokation, Vorliebe für das Pittoreske und einem intensiven Dialog zwischen Bauwerk und Landschaft. Im Bruch mit der Nüchternheit des damals vorherrschenden Neoklassizismus wandten sich romantische Architekten und Auftraggeber dem mittelalterlichen und manuelinischen Erbe zu und interpretierten es frei. Aus dieser historistischen Haltung entstanden die Revivalismen: Stile, die alte Formensprachen – gotisch, manuelinisch, islamisch – nicht archäologisch genau rekonstruierten, sondern zu emotional aufgeladenen, erinnerungsträchtigen Ensembles kombinierten.
Von der Nostalgie zum nationalen Programm
Der Wendepunkt liegt in Sintra. Ab 1839 erwarb König Ferdinand II. von Sachsen-Coburg und Gotha die Ruinen des alten Mosteiro de Nossa Senhora da Pena und errichtete mit Unterstützung des deutschen Ingenieurs Wilhelm Ludwig von Eschwege auf dem Gipfel der Serra eine palastartige Fantasie, die zum Manifest der portugiesischen Romantik wurde. Der Palácio Nacional da Pena vereint neogotische, neomanuelinische, neoarabische und neorenaissance-Elemente in einer Komposition, die poetische Wirkung über stilistische Kohärenz stellt.
Die Neuheit war nicht nur formal. In einer Zeit des aufkeimenden Nationalismus wurde die Vergangenheit politisch, und die Architektur suchte in historischen Formen einen Spiegel kollektiver Identität. Portugal fand diesen Spiegel im neomanuelinischen Stil, einer Wiederbelebung des Stils aus der Zeit König Manuels I. – der Ära des Mosteiro dos Jerónimos und des Torre de Belém –, der zum nationalen Stil avancierte. Während Europa vor allem die Neogotik als patriotische Sprache wählte, kultivierte Portugal eine eigene Formensprache, verbunden mit dem Gedächtnis der Entdeckungen und maritimen Größe.
Der Revivalismus kopierte nicht die Vergangenheit: er beschwor sie herauf. Jede manuelinische oder maurische Zitat war weniger eine archäologische Übung als eine Weise, die Geschichte zu bewohnen.
Die Stile des romantischen Geschmacks
Unter dem Dach des Historismus koexistierten verschiedene revivalistische Strömungen. Die Neogotik inspirierte sich an mittelalterlicher christlicher Architektur; der Neoromanik griff schwere frühere Formen auf; der neoarabische Stil, besonders beliebt in Gärten und Empfangsräumen, evozierte das islamische Erbe der Halbinsel durch Hufeisenbögen, Stuck und Azulejos. Oft traten diese Stile nicht isoliert auf, sondern kombiniert in einem bewussten Eklektizismus, dessen Reiz gerade in seiner Vielfalt lag.
Das zweite große Denkmal Sintras, der Palácio de Monserrate, illustriert diese Fusion: Gotik, Maurisches und Renaissance verschmelzen natürlich und erstrecken sich in einen botanischen Garten, der die Natur selbst zum Teil des Werkes macht. Die Beziehung zwischen Gebäude und Landschaft – Berg, Wald, Garten – ist überhaupt ein bestimmendes Merkmal romantischen Geschmacks, beeinflusst von der englischen Tradition des pittoresken Gartens.
Fortdauer und Ausklang
Die Romantik war kein kurzes Intermezzo. Sie dauerte bis ins frühe 20. Jahrhundert und hinterließ späte Werke von großer szenografischer Ambition. Der italienische Bühnenbildner und Architekt Luigi Manini entwarf den Palácio Hotel do Buçaco, eine gelehrte Replik manuelinischer Motive von Torre de Belém und Jerónimos, und projektierte auch die Quinta da Regaleira (fertiggestellt 1910) in Sintra, eine esoterische und symbolische Synthese revivalistischer Imagination.
Als in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Jugendstil und später die Moderne neue Formensprachen durchsetzten, endete diese Epoche. Doch das romantische Erbe prägt die portugiesische Kulturlandschaft bis heute: in Palästen, Landsitzen und Gärten, die Berge und Vororte zu von Erinnerung bewohnten Schauplätzen machten und zu den eigenwilligsten Orten des nationalen Erbes zählen.
Häufige Fragen
- Wann entstand die romantische Architektur in Portugal?
- Man geht davon aus, dass die romantische Architektur in Portugal Ende der 1830er Jahre mit dem Bau des Palácio da Pena in Sintra begann und bis ins frühe 20. Jahrhundert lebendig blieb.
- Was unterscheidet den portugiesischen Revivalismus von anderen europäischen Strömungen?
- Während Europa vor allem die Neogotik als nationalen Stil wählte, pflegte Portugal den Neomanuelino, eine Wiederbelebung des manuelinischen Stils des 16. Jahrhunderts, der als Ausdruck nationaler Identität diente.
- Was sind die wichtigsten Beispiele romantischer Architektur in Portugal?
- Hervorzuheben sind der Palácio Nacional da Pena und der Palácio de Monserrate in Sintra, der Palácio Hotel do Buçaco und die Quinta da Regaleira, alle geprägt durch eine gelehrte Mischung historistischer Stile.
Quellen
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